Ein Zoo in der Sporthalle

Schülerinnen des Beruflichen Gymnasiums kooperieren mit der Mittwald Grundschule

Ob Krokodilgraben, Pinguinrutsche oder Tigerkäfig. Für 24 Zweitklässler der benachbarten Mittwald Grundschule in Espelkamp war der 3. Mai 2016 ein ganz besonderer Unterrichtstag. Wir, Schülerinnen der EZG 18 aus dem Bildungsgang „Berufliches Gymnasium für Gesundheit und Soziales“ mit dem Schwerpunkt Pädagogik, organisierten in Kooperation mit unserer Lehrerin Katrin Neumann im Rahmen unseres Unterrichtsfaches Sport und Gesundheit ein Angebot zur Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung für Kinder zwischen sieben und acht Jahren.

Zur Vorbereitung des Bewegungsangebots beschäftigten wir uns im Vorfeld theoretisch mit dem menschlichen Wahrnehmungssystem und erfuhren durch Wahrnehmungsspiele und -übungen „am eigenen Leib“, wie Wahrnehmungsprozesse funktionieren.

 



Für die weitere Entwicklung des Angebots haben wir die Förderung der Körpernahsinne in den Vordergrund gestellt. Dazu zählen die taktile Wahrnehmung („Tastsinn“), die kinästhetische Wahrnehmung („Bewegungssinn“) und die vestibuläre Wahrnehmung („Gleichgewichtssinn“), die durch grobmotorische Bewegungshandlungen, wie beispielsweise balancieren, springen, laufen, klettern und schaukeln, gefördert werden. Bei vielen Kindern werden diese Wahrnehmungsbereiche unzureichend angeregt, denn teils ist der Bewegungsraum von Kindern heutzutage eingeschränkt und verliert zunehmend an Attraktivität. Gleichzeitig gewinnen passive Freizeitaktivitäten, die durch moderne Medien geprägt sind, an Bedeutung. Dadurch sind motorische Aktivitäten und das natürliche Wahrnehmungs- und Bewegungstraining auf ein Minimum reduziert. Aus diesem Grund haben wir vor allem auf die Vielfalt der unterschiedlichen Stationen geachtet, denn umso abwechslungsreicher die Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder sind, desto intensiver wird auch die Wahrnehmung geschult. Des Weiteren wird die Leistungsfähigkeit des Gehirns angeregt. Wesentliche Prinzipien der Wahrnehmungsförderung sind außerdem Offenheit, Freiwilligkeit und Selbstbestimmung, da sensomotorische Erfahrungen nicht erzwungen werden können.

Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2b ging es mit einer von uns selbst entwickelten Bewegungsgeschichte zum Thema „Zoo“ los. Diese Geschichte diente neben der thematischen Einstimmung auch dem Aufwärmen und darüber hinaus dem Kennenlernen wichtiger Regeln, die unverzichtbar für ein rücksichtsvolles und sicheres Bewegen und Spielen in größeren Bewegungslandschaften sind.

Unter Anleitung erkundeten die Kinder danach die zuvor von uns aufgebauten Stationen. Dazu gehörten der Krokodilgraben, die Schlangengrube, die Pinguinrutsche, der Tigerkäfig, die Elefantenhürde, die Gänge eines Maulwurfes und der Kletteraffe. Hierbei mussten sich die Kinder beispielsweise durch die Gänge des Maulwurfes rollen oder die riesige Mauer des Tigerkäfigs überwinden. Die Stationen boten neben viel Bewegungsfreiraum außerdem unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Motivierend und spannend förderten wir spielerisch die Körpernahsinne und stärkten die Kinder in ihrem Selbstkonzept. Dieses beinhaltet bestenfalls eine realistische Einschätzung von sich selbst und ein gesundes Selbstwertgefühl. Mit unserem Angebot schafften wir positive Erlebnisse, welche die Kinder wiederholt erleben konnten. Misserfolge konnten durch Motivation und Hilfestellungen ausgeglichen werden. Durch die Differenzierungsmöglichkeiten der veränderbaren Stationen konnten die Kinder passende Herausforderungen suchen und lernten durch Grenzerfahrungen sich selbst einzuschätzen. Mit Hilfe eines Laufzettels konnten sich die Kinder selbstständig orientieren, die Stationen erarbeiten und sich frei durch die Sporthalle bewegen. In einer abschließenden Reflexion schauten die Kinder  auf sich selbst zurück und verarbeiteten ihre Impressionen.

Unser Tag im Zoo war ein tierischer Erfolg! Aus der Beobachtung und Reflexion konnten wir schließen, dass die Kinder positiv gestärkt aus dem Angebot gingen und dabei sehr viel Bewegungsfreude zeigten.

Auch für uns war der Tag ein besonderer Unterrichtstag. Die Möglichkeit, die zuvor erarbeiteten theoretischen Inhalte in die Praxis umsetzen und dabei bereits Erfahrungen in der Anleitung von Gruppen zu sammeln, schätzen wir am meisten. Besonders wertvoll war für uns außerdem die Aneignung des Wissens über verschiedene Sicherheitsaspekte im Sportunterricht, vor allem im Hinblick auf die Handhabung von Turngeräten. Zudem konnten wir erfahren, dass eine gut durchdachte Organisation und eine reibungslose Teamarbeit Priorität hat, damit ein Angebot einwandfrei gelingen kann.

Wir danken der Mittwaldschule für die gute Zusammenarbeit und hoffen auf weitere gemeinsame, besondere Unterrichtstage!

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