WG19B auf dem ,,Weg der Erinnerung“


Auch in diesem Jahr haben unter anderem Lübbecker Schülerinnen und Schüler an das Schicksal der jüdischen Gemeinde während des Nationalismus erinnert. Am Platz der Synagoge wurde im Gedenken an die Progromnacht ein Kranz niedergelegt.

Von René Pascal Knickmeier

Seit September bereitete sich die Klasse WG19B des Wirtschaftsgymnasiums des Berufskollegs Lübbecke im Rahmen des Religionsunterrichtes auf den Gedenktag am 09. November 2016 vor. Damit sich die Schülerinnen und Schüler einen Einblick über das Leben der jüdischen Familien in Lübbecke verschaffen konnten, ging ihre Lehrerin Frau Meyring am 06. Oktober mit ihnen zu zwei Villen, welche damals jüdischen Familien gehörten. Bei dieser Führung erzählte sie den Schülerinnen und Schülern von den Familien, welche in diesen Villen gelebt haben. In den nächsten Wochen arbeitete die Klasse kontinuierlich an den Texten, welche sie an dem Gedenktag vorlesen wollte.

Am 09. November 2016 nahm die Klasse schließlich an dem 78. Gedenktag teil. Nach einer kleinen Stärkung übten die Schülerinnen und Schüler auf dem alten jüdischen Friedhof das Auftreten gegenüber den Zuschauern und trainierten das Sprechen in ein Mikrofon. Um ca. 16:30 Uhr gingen alle zusammen in die Kirche, in der Schülerinnen und Schüler des Wittekind Gymnasiums die Besucher des Gedenktages über die Geschichte der Juden in Lübbecke und deren Friedhöfe und Symboliken informierten. Zwischen den einzelnen Themen konnten die Besucher den Klängen der Musiker lauschen.

Im Anschluss an diese Erörterung wurden die Besucher gebeten den Vordereingang des Judenfriedhofes zu benutzen, wo die Schülerinnen und Schüler der Stadtschule den männlichen Besuchern eine Kippa übergaben. Außerdem bekam jeder Besucher einen Stein, welcher auf einen Grabstein gelegt werden konnte. Die jüdische Religion benutzt Steine, um an die verstorbenen Mitmenschen zu gedenken. Die Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums berichteten über das Leben und das Leiden von vier jüdischen Familien. Sie erzählten von den Familien Ruben, Weinberg, Hecht und Bloch. Bei ihrer Vorstellung erklärten sie zudem noch die Formen und Symboliken der Grabsteine. Sie erläuterten die jüdischen Rituale und Glaubenshintergründe.

Anschließend sang Jakow Zelewitsch, Kantor der jüdischen Kultusgemeinde Minden, das Kaddisch, eines der ältesten Gebete des Judentums, vor. Abschließend gingen die Besucher der Veranstaltung als geschlossene Gruppe zu dem Gedenkstein in der Lübbecker Innenstadt, an dessen Stelle vor der Reichskristallnacht die jüdische Synagoge gestanden hat und welche in dieser Nacht von den Anhängern des NS-Regimes niedergebrannt wurde. An dem Stein wurde im Gedenken an die Reichsprogromnacht ein Kranz niedergelegt. An diesem denkwürdigen Platz versammelte sich die Gruppe und der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, Giora Zwilling, berichtete über dieses Ereignis. Zum Abschied sang Jakow Zelewitsch noch einmal das Kaddisch. Herr Zwilling mahnte in seiner Ansprache: ,,Beim Gedenken geht es nicht darum, sich in der Kälte die Füße abzufrieren, sondern ein Zeichen gegen Ignoranz und Intoleranz zu setzen“.

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